3 Mädchen sitzen an Nähmaschinen und nähen waschbare Binden

Waschbare Binden in Südafrika: Wie wir gemeinsam die Zukunft der Menstruation nähen

„Was passiert, wenn Menstruierende Zugang zu gesunden, nachhaltigen und selbst hergestellten Periodenprodukten bekommen? Sie gewinnen nicht nur an Selbstbewusstsein – sie erobern sich ihre Freiheit zurück.“

Mit dieser Motivation im Gepäck bin ich im Januar 2026 für die Kreishandwerkschaft Steinfurt-Warendorf nach Südafrika aufgebrochen. Mein Ziel: Gemeinsam mit Schülerinnen, Trainerinnen und lokalen Partnerinnen waschbare, wiederverwendbare Menstruationsprodukte herzustellen – und dabei viel mehr zu vermitteln als nur Nähtechniken. Es ging um Aufklärung, Empowerment und die Revolution der Menstruation – natana in Südafrika!

Und ja, wir haben waschbare Binden in Südafrika auch per Hand genäht! Denn an der QELO School of Skills in Botshabelo gab es für 80 Schüler*innen nur eine Handvoll Nähmaschinen. Aber das hat uns nicht aufgehalten – im Gegenteil.

Woche 1: Thaba Nchu Motheo College – Vom Wissen zur Tat

Montag: Der erste Schritt – Wissen teilen
Gemeinsam mit meiner Co-Trainerin Onkarabetse Mokhobo (ehemalige Teilnehmerin, jetzt Expertin!) und unserer Projektpartnerin Lynette Johnson starteten wir mit einem Vortrag über Menstruationsprodukte, den ich halten durfte. Die Fragen der Schülerinnen zeigten: Viele kannten nur Einwegprodukte – ohne sich deren Risiken bzw. der potentiellen Belastung mit schädlichen Chemikalien bewusst zu sein.

„Warum ist es wichtig Menstruationsprodukte regelmäßig zu wechseln? Was ist das Toxic Shock Syndrom? Und warum sind natürliche Materialien so wichtig?“
Mit diesen Fragen haben wir uns gemeinsam beschäftigt. Zusätzlich zur Präsentation hatte ich auch Muster zum Anschauen dabei und natürlich die klare Botschaft: Jede Frau verdient gesunde, nachhaltige Lösungen und mit waschbaren Binden in Südafrika können wir diese erreichen.

Dienstag bis Freitag: Nähen, Lernen, Staunen

  • Die Anfängerinnen starteten mit dem „Modell Kreuz“ – einer einfachen, aber effektiven Binde. Schritt für Schritt lernten sie, wie man Stoff zuschneidet, näht und Druckknöpfe oder Klettverschlüsse anbringt. (1. Bild)
  • Fortgeschrittene wagten sich an Binden mit runden Flügeln (Bild 2) und sogar an Menstruationsunterwäsche mit Wechselsystem – genau das, wofür natana steht! Und somit gibt es natana jetzt auch in Südafrika 🙂
  • Stoffkunde: Wir zeigten, welche lokalen Stoffe sich eignen und wie Material sparend zugeschnitten wird.
  • Zyklus-Wissen: Aufklärung über den weiblichen Zyklus, die Menstruation und mögliche Schwangerschaft kam natürlich nicht zu kurz. (Bild 3)
  • Marketing: Der Marketing-Part wurde dieses Jahr von Lynette Johnson geleitet. Ich habe beigesteuert, dass die Students all das Frauengesundheits- und Zyklus-Wissen, das sie gelernt haben und auch im Workbook zum Nachlesen erhalten haben, auch für ihr Marketing nutzen können.

Woche 2: QELO School of Skills – Handarbeit mit Herz

Hier arbeiteten wir mit 80 Schüler*innen – viele ohne Zugang zu Nähmaschinen. Also nähten wir per Hand. Die Motivation war unglaublich – auch die Jungs fanden das cool:

  • Jungs und Mädchen lernten gemeinsam über den weiblichen Zyklus (ja, auch das ist wichtig!).
  • Wir nähten Kreuz-Binden und Helas – alles mit dem Ziel, dass die Schüler*innen ihr Wissen zu Hause umsetzen können und es bald mehr waschbare Binden in Südafrika gibt.

Die „Hela-Binde“ siehst du im zweiten Bild – ohne Verschluss, auch per Hand einfach zu nähen und zweimal verwendbar. Perfekt auch um sie in und mit den lokalen (leider armen) Communities vor Ort nachzumachen! Dieses Schnittmuster stellt Kulmine.de für nicht kommerzielle Zwecke frei zur Verfügung. Danke!

Freitag: Nochmal ein Tag zurück am TVET College – ein ganz besonderer Tag!

Am Bild sieht man eine der Studentinnen mit den waschbaren Binden, die sie präsentieren wird und eine andere, die gerade ihre imaginäre Brand picht.

Am letzten Tag präsentierten die Schüler*innen stolz ihre Produkte – und übten, wie man sie verkauft und bewirbt. Die meisten von ihnen haben auch das erste Mal vor einer größeren Gruppe gesprochen. Die Trainerinnen machen sich im Hintergrund Notizen, um nachher die Gewinnerinnen auswählen zu können.

Ein Erfolgserlebnis kam am Freitag noch dazu: Ein lokaler Container-Shop für Schuluniformen nahm nach unserem Besuch waschbare Binden von Mokhobo ins Sortiment auf. Nachhaltigkeit trifft auf Unternehmerinnengeist!

Warum dieses Projekt vieles verändert

  1. Gesundheit geht vor: Viele Frauen in Südafrika haben keinen Zugang zu sicheren, bezahlbaren Menstruationsprodukten. Selbst genähte Binden aus Baumwolle sind hautfreundlich, wiederverwendbar und frei von Schadstoffen.
  2. Empowerment durch Wissen: Die Schülerinnen lernten nicht nur Nähen – sie verstanden, wie ihr Körper funktioniert, warum Hygiene wichtig ist und wie sie ihr Handwerk zu Geld machen können. Für den finanziellen Aspekt und das Pitchtraining war Lynette Johnson von House of Basadi zuständig. Du findest HIER mehr zu Lynette und ihrer Arbeit.
  3. Nachhaltigkeit, die ansteckt: Jede genähte Binde spart Unmengen an Müll, der sich über die Jahre ansammelt. Und jede Frau, die ihr eigenes Produkt herstellt, wird zur Botschafterin für Veränderung.

Unser Team: Die Frauen hinter dem Projekt:

Lynette (links), die Gründerin von House of Basadi hat meine Arbeit toll ergänzt und für viele war ihr Part wichtiger als meiner! (Ich stehe neben ihr 😉 )
Mokhobo (ganz rechts)war zum ersten Mal als Trainerin aktiv – und hat mich großartig unterstützt! (Ihr seht sie im Bild mit einer Studentin)

Wer hat das Projekt ermöglicht?

Die Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf fördert nicht nur Handwerk in der Region, sondern arbeitet auch weltweit in der Berufsbildung – besonders im südlichen Afrika. Im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ) und der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) werden seit 2015 Partnerschaften mit Schulen und Wirtschaftsverbänden aufgebaut. „Das ist ein Erfolgsrezept der dualen Ausbildung“, so die Kreishandwerkschaft.

Ich (Ilona) kann dabei aus Erfahrung berichten, wie wichtig dieser Ansatz im ländlichen Südafrika ist und welch große Anstrengungen die Zuständige vor Ort unternimmt, um die Colleges und Schulen mehr mit der lokalen Wirtschaft zu verknüpfen, um für die Schüler*innen und Student*innen Arbeitsplätze zu finden. Denn Arbeitsplätze sind im ländlichen Raum dünn gesät. Unser Projekt möchte deshalb den Anreiz zur Selbstständigkeit schaffen.

„Wir als Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf sind mehr als zufrieden mit dem, nun schon zweiten, Experteneinsatz von Frau Sinner im Rahmen unserer Berufsbildungspartnerschaft (BBP) mit dem Motheo TVET College in Bloemfontein. Wir vermitteln viele Experten im Rahmen diverser Projekte – hier gibt es Einsätze, die gut sind, weil sie inhaltlich viel vermitteln können, und welche, die vom Menschlichen her einfach passen. Mit dem Experteneinsatz von Ilona Sinner ist die perfekte Kombination aus beidem gelungen. Vielen Dank dafür und wahrscheinlich bis zum nächsten Mal!“
Max Gaasbeck, Kreishandwerkerschaft Steinfurt Warendorf

Wie du Teil der Bewegung wirst

Du möchtest mehr über natana erfahren oder sogar selbst aktiv werden? Hier sind drei Wege:

  1. Entdecke unsere Produkte: Besuche natana.de und finde die perfekte Menstruationsunterwäsche für dich.
  2. Werde Teil der Community: Folge uns auf Instagram @natana_periodunderwear für Tipps, Stories und Updates.
  3. Verfolge Mokhobos Weg als junge Selbstständige in Südafrika weiter. Du findest sie auf Instagram unter @onkarabetsemokhobo
  4. Folge Fiona aus Uganda, Marius und mir auf Insta unter @dear_daughter_sanitary_pads um mehr über unsere Arbeit in Uganda zu erfahren!
  5. Unterstütze Projekte wie dieses: Du hast Ideen, Kontakte oder Lust, dich einzubringen? Schreib mir eine Nachricht! Gemeinsam können wir noch mehr bewegen.

Ich möchte dir noch einen Gedanken (und ein Gruppenbild) mit auf den Weg geben:
„Menstruation ist kein Tabu – sie ist ein Zeichen von Leben, Kraft und Verbindung. Und jede Frau verdient es, diese Zeit mit Würde, Komfort und Stolz zu erleben.“

Deine Ilona
Gründerin von natana

Abschlussfoto an der Quelo school mit vielen der Teilnehmer*innen

PS: Du hast Fragen oder möchtest mehr über das Projekt wissen? Schreib mir gerne in die Kommentare! Ich freue mich auf den Austausch mit dir.

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